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Chronische Hepatitis B

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Chronische Hepatitis B

Das Hepatitis B Virus ist ein DNA Virus aus der Gruppe der Hepadnaviren. Im Gegensatz zu den meisten RNA Viren integriert es seine Erbinformation in die Erbinformation des Wirtes, so dass eine Hepatitis B niemals ganz ausheilen kann: Es bleibt stets die DNA-Matritze erhalten, von der unter Umständen wieder Virus entstehen kann. Ähnlich wie ein Herpesvirus kann sich das Hepatitis B Virus also im Körper "verstecken", um bei einer Schwächung des Immunsystems wieder auszubrechen.

Das Hepatitis B Virus wird ausschließlich parenteral übertragen, also durch Blutkontakte oder beim Geschlechtsverkehr. Je nach Zustand des Immunsystems im Augenblick der Infektion kann die Infektion akut verlaufen und wieder verschwinden oder es kann zu einer chronischen Infektion kommen.

Aber auch im Stadium der chronischen Infektion ist nicht immer eine Behandlung erforderlich. Häufig arrangieren sich Virus und Immunsystem so, dass das Virus zwar vorhanden ist, die Leber aber nicht wesentlich schädigt. Wenn allerdings erhöhte Leberwerte darauf hinweisen, dass die Leber durch die Immunantwort gegen das Virus entzündet ist, ist in der Regel eine Behandlung erforderlich. Diese Behandlung kann entweder durch eine Stimulation des Immunsystems mit Interferon-alpha erfolgen, mit dem Ziel, die Infektion in einen inaktiven Zustand zu überführen oder es erfolgt eine – in der Regel dauerhafte – Therapie mit Tabletten (sogenannte Polymeraseinhibitoren), die die Virusvermehrung effektiv unterdrücken. So gelingt es regelhaft, die Entzündungsaktivität in der Leber zu unterdrücken und die Leber damit vor Langzeitschäden zu bewahren. Wird eine Hepatitis B allerdings nicht behandelt, droht die Entstehung einer Leberzirrhose und eines hepatozellulären Karzinoms (Leberkrebs).

Gegen das Hepatitis B Virus gibt es seit 1992 eine sehr effektive Impfung, die eine Infektion verhindern kann. Sie gehört seit vielen Jahren in den Impfkalender für Säuglinge. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt die Krankenkasse aber auch die Kosten für die Impfung im Erwachsenenalter, nämlich dann wenn ein besonders hohes Risiko für eine Ansteckung oder für einen schwierigen Verlauf bestehen, etwa weil die Leber bereits vorgeschädigt ist.

Vor Therapie einer Hepatitis B sollte eine differnzierte Diagnostik durchgeführt werden, um zu klären, wie groß das Ausmaß des Leberschadens ist, wie hoch das Entzündungsniveau ist und ob weitere Infektionen vorliegen, etwa mit dem Hepatitis D Virus. In der Regel ist hierfür heute keine Leberbiopsie mehr nötig, sondern die Informationen lasen sich mit Hilfe von Laboruntersuchungen und von Ultraschall und Fibroscan erhalten. Außerdem wird eine Bestimmung der Viruslast und ggf. auch des Virusgenotyps bzw. von möglichen Resistenzen durchgeführt.